Konferenz 2014

 

rework - die Karriere Konferenz

Workshops am Vormittag

p1 (1) Erfolg und Zeit.
Kann man auch als Teilzeitkraft Karriere machen?
Wie kommen wir raus aus der Präsenzkultur?

4 Fragen zum Workshop von Angelika Damman
beantwortet von Silvia Feist

1. Welche Erwartungen hattest Du an den Workshop?
Angelika Dammann ist schon länger mit EMOTION verbunden. Die Juristin gehört zu unserem Mentorinnen-Netzwerk, und 2010 war sie unsere Kandidatin für den „Victress Glassbreaker Award“ – den sie als erste Frau im Vorstand eines DAX-Unternehmens glasklar gewonnen hat. Bei der SAP AG war sie für das globale Personalwesen der SAP-Gruppe zuständig und als Arbeitsdirektorin für mehr als 45000 Mitarbeiter verantwortlich. Ich war gespannt auf ihre Ideen, wie Frauen auch in Teilzeit vorankommen können.

2. Welche Inhalte hat die Referentin vermittelt?
Karriere in Teilzeit ist möglich. Wenn wir die übliche Präsenzkultur verändern, ist das ein Gewinn für alle: Frauen, Männer und die Unternehmen.
Frau Dammann hat dafür einige der Voraussetzungen genannt. Als erstes, innere Klarheit zu gewinnen: Was will ich? Und sich dann für die eigenen Ziele und Wünsche Verbündete im Unternehmen zu suchen – und Unterstützung zuhause.
Sie erinnert sich an einen geradezu „ konspirativen Anruf“: Zwei Frauen, beide in einer Vorzeigefunktion in einer Hauptabteilung, baten sie zum Mittagessen außerhalb und präsentierten ihr ein Konzept, wie ein Job-Sharing trotz der exponierten Stellung von beiden funktionieren könne. Sie war beeindruckt, auch, weil deutlich wurde, „dass kein Blatt zwischen die beiden passte“.
Spannend fand ich, Frau Dammanns Ansatz, die Teilnehmerinnen aufzufordern, nicht nur einen Veränderungswunsch zu formulieren. Es steigert die Erfolgsaussichten, „unternehmerisch“ zu denken, also Argumente zu finden, die dem Arbeitgeber deutlich machen, es ist eine Win-win-Situation. Aktuelle Studienergebnisse gäben Frauen dabei gute Argumente an die Hand: zum Beispiel, dass flexiblere Arbeitsmöglichkeiten die Motivation stärken, dass die Fluktuation abnimmt und dass es das Unternehmen selbst attraktiver macht, so etwas anzubieten.

3. Welche Tipps wird Du zukünftig anwenden?
Mir auch im Alltagsgeschäft immer mal wieder zu vergegenwärtigen: Wo stehe ich ich? Was möchte ich?

4. Welcher war der Moment im Workshop, der Dich besonders inspiriert hat?
Als eine Teilnehmerin erzählte, wie zufrieden sie mit der Arbeitsteilung mit ihrem Mann sei und sagte: „Mein Mann ist viel besser organisiert, ich bin bei uns die Schlampe.“ Das kam sehr launig daher, und Frau Dammann lächelte auch, bevor sie sagte: „Also, Sie sind nicht so ordentlich wie er.“ Eine kleine Szene, die zeigte: Frauen sind sehr gut darin, die Leistungen anderer anzuerkennen – und ebensogut sind sie in Selbstkritik und darin sich abzuwerten. Frau Dammanns sanfte Korrektur war ein guter Hinweis, mit mehr Wertschätzung auf sich zu blicken, um souverän und mit Überzeugung für sich eintreten zu können.


p2 (1) Erfolg und Authentizität.
Welcher Führungsstil ist heute gefragt?
Wie viel Selbst ist an der Spitze erlaubt?

4 Fragen zum Workshop von Caroline Drucker
beantwortet von Andrea Huss

rework_Drucker1. Welche Erwartungen hattest du an den Workshop?
Die gebürtige Kanadierin ist mir schon öfter aufgefallen: Die Country Managerin der E-Commerce-Plattform Etsy könnte auch als Ikone für trendbewusste Blogger durchgehen, sie färbt ihre Haare mal rot, mal blond und stand auch schon mal für ein Mode-Shooting zur Verfügung. Das alles ganz unprätentiös. Ihr Vortrag „How to Get More Women in Tech in Under a Minute“ hatte Humor und eine klare Botschaft, nämlich „Frauen, benehmt euch nicht wie Mädels!“. Caroline Drucker wurde damit weltweit bekannt: Bisher wurde der Videomitschnitt ihres Vortrags bei Youtube fast 50 000 mal angeklickt. Insofern war sie aus meiner Sicht die Idealbesetzung für ein Forum, das den Claim „Arbeit neu denken“ hat. Von ihrem Workshop erwartete ich vor allem eins: persönlich vermittelt zu bekommen, wie authentisch man sein kann, wenn man an der Spitze steht und Verantwortung für Unternehmensziele hat. Noch bevor der Workshop startete, setzte Caroline Drucker hier ein Statement: Sie reiste mit ihrer kleinen Tochter im Tragesack zur Konferenz an. Und zwar im kanadischen Holzfällerhemd statt im Business-Outfit.

2. Welche Inhalte hat die Referentin vermittelt?
Caroline Drucker kam bei ihrem Workshop ohne Folien und Powerpoint aus. Sie erzählte auf Englisch ganz einfach von sich und ihren Erfahrungen im Online-Business und als weibliche Führungskraft. Zuvor lud sie die Teilnehmerinnen alle ein, sich persönlich vorzustellen und zu erklären, warum sie das Thema „Authentizität im Job“ interessiert. Eine sagte: „Dass ich so rede, wie mir der Schnabel gewachsen ist, ist Teil meines Erfolgs“, eine andere „Wer sich wirklich authentisch verhält, holt sich schnell eine blutige Nase.“ Eine dritte Teilnehmerin fasste es für sich so zusammen: „Ich setze meine Authentizität strategisch für meine Karriere ein. Ich weiß, wann sie mir als Charakterstärke ausgelegt wird, aber auch, wann ich besser die Spielregeln der anderen einhalte und meine Rolle spiele.“
Dieses Taktieren scheint Caroline Drucker fern zu liegen, wobei sie ihre kanadische Herkunft als Vorteil für ihren Manager-Job in Berlin sieht. „Es hilft mir, dass ich Ausländerin bin. Die Leute haben viel weniger Rollenerwartungen an mich, sie sind eher bereit, sich überraschen zu lassen.“ Uns riet sie, selbst damit zu beginnen, wie eine Fremde zu denken, das gewohnte Bild bei der Arbeit mit Neugier zu betrachten – und so Regeln zu brechen, die zu sehr Korsett sind. Ihr Credo als Chefin ist, immer das Beste von allen Kollegen anzunehmen: „People are great! It’s so much fun to work in a team!“ Als Manager solle man Leute anheuern, die smarter sind als man selbst und die eigenständig denken können. „Honorieren Sie die Andersartigkeit und Authentizität Ihrer Mitarbeiter, sie sind Ihr Kapital.“ Durch Diversität im Team entstünden die besseren Lösungen, mehr Kreativität sei im Raum. Zum Authentischsein gehöre es dazu, sich und anderen Fehler zu erlauben. „Wir haben bei Etsy regelmäßig eine Konferenz, in der wir ganz offen besprechen, was schlecht gelaufen ist. Nicht etwa anklagend, sondern mit der Frage: Was können wir für die Zukunft daraus lernen?“ „No shame, no blame“ gibt sie uns mit auf den Weg. Authentisch sein bedeute auch, offen zu sagen, wenn die Leistung von jemandem nicht zufriedenstellend gewesen sei. „Ehrliche Kritik ist toll, an ihr kann Ihr Gegenüber wachsen, das ist echte Wertschätzung.“

3. Welche Tipps wirst du zukünftig anwenden?
Mir hat das Motto „Keep that level of youness“ sehr gut gefallen. Caroline Drucker brachte das Beispiel, dass es gemeinhin heißt, es sei für die Karriere förderlich, nach einer Tagung in der Bar noch zu netzwerken. „Aber wenn man daran keinen Spaß hat, dann bringt es auch nichts. Dann ist es besser für die Karriere und die eigene Energie, im Hotelbett ein gutes Buch zu lesen.“ Authentisch sein heißt also vor allem, mir selbst treu zu bleiben. Und wenn ich irgendwann mal abends an der Bar mit Visitenkarten um mich werfen sollte, werde ich mich an Caroline Drucker erinnern und mir die Frage stellen: Bin das noch ich? Oder ist meine Youness schon schlafen gegangen?

4. Welcher Moment im Workshop hat dich besonders inspiriert?
Kein Moment im Besonderen, aber die positive Atmosphäre, die Caroline Drucker verbreitet hat. Echte Neugier auf die Teilnehmerinnen und die Haltung „Jede hier hat schon viel geleistet. Ihr alle könnt stolz auf euch sein.“ Dieses Lob hat die Frauen im Raum ganz unkompliziert miteinander verbunden und dazu geführt, dass auch nach ihrem Vortrag noch längere persönliche Gespräche der Teilnehmerinnen untereinander stattfanden.


p3 Erfolg und Planung.
Sollten Frauen ihre Karriere strategisch angehen?
Und wie passt Familienplanung dazu?

4 Fragen zum Workshop von Ines Wichert
beantwortet von Julia Möhn

1. Welche Erwartungen hattest Du an den Workshop?
Ich kannte Dr. Ines Wichert schon vor der Konferenz von ihrem Twitter-Account @InesWichert und hatte sie auch als Referentin für re:work vorgeschlagen. Sie arbeitet als Psychologin und Arbeitsmarktforscherin in London für IBM. Mich beeindruckten zwei Dinge an ihr. 1. Sie ist extrem gut vernetzt: Es gibt kaum eine Spitzenfrau der britischen Wirtschaft, zu der sie keinen kurzen Draht hat. 2. Ihre Analysen sind pragmatisch und auf den Punkt – für einen Workshop über Karriereplanung eine perfekte Besetzung.

2. Welche Inhalte hat die Referentin vermittelt?
Sie hat die Frage beantwortet: Was hilft beim beruflichen Weiterkommen? Grundlage ihrer Analyse sind repräsentative Befragungen von weiblichen Führungskräften. Vielleicht die wichtigste Erkenntnis: Es gibt einen Unterschied zwischen der Arbeitsplatz-Zufriedenheit von Frauen und tatsächlichen Beförderungen von Frauen. Anders formuliert: Wie zufrieden wir mit unserer Arbeit sind, steht in keinem großen Zusammenhang zu den Chancen, befördert zu werden. Was ich außerdem interessant fand: Frauen werden als weniger beförderungsbereit als Männer eingeschätzt. Und: Männer haben mehr Kanäle, über die ihre Karriere an Fahrt gewinnen kann als Frauen. U.a., weil Männer eher Männer befördern – klingt wie die Erfahrung von vorgestern, ist aber die von heute. Wer tiefer in das Thema einsteigen will, dem empfehle ich das Buch von Ines Wichert: „Where have all the senior women gone?“

3. Welche Tipps wird Du zukünftig anwenden?
Die eigene Karriereplanung ernst nehmen, heißt, Zeit in sie zu investierten. Ich glaube, das war Ines Wichert am wichtigsten: Dass Frauen nicht auf den weißen Ritter warten sollten, sondern besser selbst raus aufs Pferd steigen. Dabei helfen können ihr Handout und die Formel „SMART Planing“.

S Specific – detailierte, spezifische Aktivitäten
M Measurable – messbar, mit klaren Resultaten
A Achievable – erreichbare Aktionen
R Realistic – realistische Ziele
T Timely – mit klarem Zeitrahmen

4. Welcher war der Moment im Workshop, der Dich besonders inspiriert hat?
Mich hat sehr gefreut von Ines Wichert zu hören, wie wichtig Mentorinnen und Sponsoren für Frauen sind. Denn tatsächlich bieten wir das mit Emotion seit 5 Jahren: Jeden Monat stellen wir unsere Leserinnen eine Frau vor, die für eine Leserin zur Mentorin werden kann. Ich würde mich sehr freuen, wenn viele der re:work-Teilnehmerinnen diese Heftrubrik als Chance nutzen.


p4 Erfolg und Motivation.
Nicht nur die Generation Y lässt sich nicht mehr über Boni motivieren.
Feedback und Freizeit heißen die neuen Werte

4 Fragen zum Workshop von Birgit Gebhardt
beantwortet von Marie Sophie Krone

rework_gebhardt1. Welche Erwartungen hattest Du an den Workshop?
Das Workshop-Thema hat mich sofort angesprochen. Erfolg und Motivation sind untrennbar miteinander verwoben und ich war neugierig, wie Frau Gebhardt diese Inhalte präsentiert.

2. Welche Inhalte hat die Referentin vermittelt?
Frau Gebhard hat mit vielen Graphiken, detaillierten Informationen und spannenden Geschichten aus ihrem Alltag als Trendforscherin erklärt, wie Erfolg und Motivation im Job zusammenhängen. Sie erzählte von neuen Arbeitswegen durch digitale Medien und globalen Innovationen – in Deutschland und der Welt.

3. Welche Tipps wird Du zukünftig anwenden?
Frau Gebhard hat anhand von Studien belegt, dass, wer mehr als drei Tage die Woche Zuhause arbeitet, nicht besonders produktiv ist. Der Grund: Trotz Skype, Telefonkonferenzen und gemeinsamen Servern, ist die digitale Vernetzung von Büro und Privathaushalt in Deutschland noch nicht optimal. Wer Zuhause oder im Café arbeitet, kriegt noch immer nicht alles aus dem Büro mit. Außerdem sinkt die Motivation je länger man dem Büro fernbleibt. Diese Ergebnisse sind für mich neu und ein kleiner Trost, wenn man mal wieder davon träumt, Zuhause zu arbeiten.

4. Welcher war der Moment im Workshop, der Dich besonders inspiriert hat?
Die anschließende Diskussion der Teilnehmerinnen hat mich besonders beschäftigt. Vor allem die Frage: Wie bringt man seine eigenen Interessen und die des Unternehmens zusammen? Eine allgemeine Antwort auf diese Frage gibt es nicht – jeder muss für sich ausloten, welche Werte ihm wichtig sind und wie und ob das zum Unternehmen passt.


Workshops am Nachmittag

p1 Erfolg und Kommunikation.
Werte und Worte: Wie zeige ich, was ich will?
Und wie schaffe ich eine wertschätzende Führungskultur?

4 Fragen zum Workshop von Dr. Karin Uphoff
beantwortet von Julia Möhn

1. Welche Erwartungen hattest Du an den Workshop?
Mit Herz führen – ich glaube, die meisten Frauen in Führungspositionen wollen genau das. Und verzweifeln dann oft im Alltag, wenn sie sehen, wie weit sie von diesem Ziel entfernt sind. Dr. Karin Uphoff hat mit ihrem Unternehmer-Netzwerk „Heartleaders“ eine Initiative gegründet, die zum Ziel hat, Wertschätzung in den Mittelpunkt der Beziehung zu den Mitarbeitern zu stellen. Ich war sehr gespannt darauf, ob sie in dem Workshop diese Lücke ansprechen würde zwischen Wunsch und Wirklichkeit und welche Brücke sie bauen würde.

2. Welche Inhalte hat die Referentin vermittelt?
Ihr war wichtig, dass die Teilnehmerinnen für sich prüfen, was ihnen Freude macht. Und was für sie bedeutsam ist. Denn für sie ist klar: Wir führen und kommunizieren dann am besten, wenn wir selbst authentisch sein können. Viele Teilnehmerinnen – dieser Workshop war sicher der am besten besuchteste des ganzen Tages – brachten ihre persönlichen Perspektiven ein. Wie schwer es ist, in Krisen zu führen. Wie sich Offenheit Mitarbeitern und Kunden gegenüber auszahlt. Wie Wertschätzung sich in ganz unterschiedlichen Formen zeigen kann.

3. Welche Tipps wird Du zukünftig anwenden?
Mit den Heartleader hat Karin Uphoff den Tag der Wertschätzung eingeführt – immer am Dritten eines jeden Monats. Warum ein solcher Tag? Wertschätzend zu arbeiten, lernt sich nicht über Nacht, glaubt sie. Und dass es deshalb gut und wichtig ist, sich regelmäßig damit zu befassen. Am 3. November heißt das Motto übrigens „Gemeinsam sind wir stark“.

4. Welcher war der Moment im Workshop, der Dich besonders inspiriert hat?
Als eine Kollegin aus einem großen Medienhaus völlig euphorisch davon berichtete, wie sie Trainees und Praktikanten leitet. Und dass sie nichts seliger machen würde als in Feedback-Gesprächen zu hören, dass sich diese jungen Kollegen als Teil des Teams gefühlt haben.


p1 Erfolg und Community.
Taugen die klassischen Netzwerke noch?
Wie und wo findet man in Zukunft Verbündete?

4 Fragen zum Workshop von Kathrin Koehler
beantwortet von Marie Sophie Krone

Workshop_Koehler1. Welche Erwartungen hattest Du an den Workshop?
Wie kann ich erfolgreich netzwerken? Wie knüpfe ich neue berufliche Kontakte? Wie gehe ich auf Menschen zu, die mich interessieren? Diese Fragen bewegten mich vor dem Workshop.

2. Welche Inhalte hat die Referentin vermittelt?
Der Workshop war sehr praktisch orientiert. Alle Teilnehmerinnen stiegen sofort in verschiedene Übungen ein: Sich bei jemand anderem vorstellen, eine Visitenkarte bekommen, smalltalken, sich kennenlernen. Eine Kernaussage von Frau Koehler war, dass Netzwerken nichts gezwungenes haben darf – es muss echtes Interesse am Gegenüber Vorhandensein.

3. Welche Tipps wird Du zukünftig anwenden?
Vor allem diesen einen: „Installieren Sie gute Beziehungen, bevor Sie sie brauchen.“ Auch hat es mich beeindruckt, dass unsere Karriere zu zehn Prozent durch Wissen und zu 60 Prozent durch Beziehungen vorangetrieben wird.

4. Welcher war der Moment im Workshop, der Dich besonders inspiriert hat?
Netzwerken hat nichts mit beruflichen Zwängen zu tun, sondern soll Spaß machen. Offen, mutig und herzlich auf andere Menschen zuzugehen und sein Netzwerk ausbauen – darauf hat Kathrin Koehler allen Teilnehmerinnen Lust gemacht.


p2 (1) Erfolg und Lebenssinn.
Wie kann ich nachhaltiger arbeiten und für eine bessere Balance sorgen?

4 Fragen zum Workshop von Prof. Dr. Brigitte Witzer
beantwortet von Andrea Huss

rework_witzer1. Welche Erwartungen hattest du an den Workshop?
Vor der Konferenz hatte ich Frau Witzers Buch „Die Diktatur der Dummen“gelesen und war begeistert von ihrer scharfen Gesellschaftsanalyse. Ich zitiere dafür einfach mal den Klappentext: „Was, wenn die Klügeren, die Besonnenen und Rücksichtsvollen immer öfter den Schreihälsen weichen, den Wichtigtuern und den Selbstherrlichen? Dann wird aus der Demokratie ganz schnell eine Idiokratie, eine Diktatur der Dummen. Ihren Job als Managerin in führender Position gibt Brigitte Witzer desillusioniert auf, wird Hochschulprofessorin, macht Ausflüge in die Politik. Ihre niederschmetternde These: Wir leben in einem System der Verdummung, das von Wirtschaft, Medien und Politik betrieben wird und in das wir uns widerstandslos hineinziehen lassen. ,Darf’s ein bisschen mehr sein?‘, fragt Witzer und meint damit nicht mehr Geld oder mehr Erfolg, sondern die Eigenschaften, die eine Gesellschaft vor dem intellektuellen Kollaps bewahren: Integrität und Verantwortung.“ Eine Autorin, die das, worüber sie schreibt, gleichzeitig so konsequent lebt, wollte ich unbedingt persönlich kennenlernen.

2. Welche Inhalte hat die Referentin vermittelt?
Brigitte Witzer hat sich zunächst selbst vorgestellt: Eine Frau, die früh Karriere als Geschäftsführerin bei Bertelsmann machte und schnell merkte, dass die Spielregeln, von denen offiziell gesprochen wird, nicht die sind, die wirklich gelten. Die Regeln, die einen Konzern am Laufen halten, gefielen ihr nicht. Sie wollte da nicht mehr mitspielen, machte sich selbstständig und lebt mittlerweile von Vorträgen, Coachings und vom Schreiben. Heute sagt Frau Witzer über sich „Ich bin eine machtvolle Frau, auch wenn ich früher in den Augen der Gesellschaft viel mächtiger war.“
Die Frage nach dem Lebenssinn kommt ihrer Meinung nach nur auf, weil wir uns als „Funktionierende“ in der Arbeitswelt oft selbst nicht mehr spüren würden. So lange wir das Leben genießen können, stellt sich die Sinnfrage gar nicht. In Zeiten großer Außensteuerung, in der ich in einem System funktionieren muss, sei die Innensteuerung besonders wichtig: Ich bin meinem Lebenssinn nah, wenn ich meine innere Landkarte kenne, auf der ich mich bewegen kann, wenn ich um meine Ziele und Bedürfnisse weiß. Brigitte Witzer plädiert weder für Teilzeitarbeit noch für Vollbeschäftigung, ihre Devise heißt: Ganztagsleben. Ein schönes Wort. Sie sagt, das Konzept der beruflichen Laufbahn sei überholt. „Karriere ist der Weg, mehr über mich selbst zu wissen.“

3. Welche Tipps wirst du zukünftig anwenden?
In Zeiten von Daueroptimierung und Dauererreichbarkeit gilt es laut Witzer, immer wieder „den eigenen Puls zu fühlen“. Wer in der (vornehmlich weiblichen) Bienenfleiß-Falle sitzt, erkennt dann vielleicht: Ich mache zwar schon alles, aber womöglich an der falschen Stelle. Den eigenen Puls fühlen, beziehungsweise mich selbst spüren und das, was mein Leben reich und wertvoll macht, das kann ich am besten jenseits der Arbeit: in der Natur, beim Kochen, Musikhören, Lesen. Diese Zeiten schützen vor einer – wie Frau Witzer es bezeichnen würde – „Diktatur der Dummen“, in der ich mich steuern lasse statt selbst zu steuern.

4. Der Moment im Workshop, der mich besonders inspiriert hat?
Die von Frau Witzer ans Flipchart gemalte Pyramide, an deren Spitze das Wort „Postheroisches Management“ steht. Ein Ziel, das ich sehr zeitgemäß finde. „Wir brauchen keine Helden an der Spitze mehr, denn dahinter sind nur Funktionierende“, sagt Brigitte Witzer. Ich bin überzeugt, dass gerade wir Frauen gut für diese Manager-Rolle taugen, wenn wir uns nicht verpuzzeln in der Rolle der ewig Emsigen mit perfektionistischem Anspruch. Sondern ein wenig mehr Zeit darauf verwenden, unsere persönliche Vision und unser Potential zu entdecken. „Ich habe ein Konzept von mir als Wirtschaftspoetin“, erzählt Brigitte Witzer. Welches Konzept habe ich von mir? Gute Frage! Für die Antwort werde ich wohl noch ein paar Mal meinen Puls fühlen (s.o.).


p2 (1) Erfolg und Intrapreneurship.
Wie kann ich auch als Angestellte unternehmerisch handeln?
Wie denke ich dabei „Outside the box“?

4 Fragen zum Workshop von Oda Heister und Dennis Hoenig-Ohnsorg
beantwortet von Silvia Feist

1. Welche Erwartungen hattest Du an den Workshop?
Ich muss zugeben, dass ich den Begriff „Intrapreneurship“ noch nie gehört hatte. Das war der erste Grund, um in diesen Workshop zu gehen. Und der zweite war, dass ich darauf gespannt war, etwas über Ashoka zu erfahren. Oda Heister ist Geschäftsführerin der Non-Profit-Organisation. Der Ansatz: Social Entrepreneurs zu fördern, also Unternehmen, die Lösungen für gesellschaftliche Probleme entwickeln.

2. Welche Inhalte haben die Referenten vermittelt?
Oda Heister und Dennis Hoenig-Ohnsorg, der bei Ashoka für neue Projekte zuständig ist, haben zu Anfang die Frage in den Raum gestellt: Wie lassen sich der Job und gesellschaftliche Wirkung zusammenbringen? Ihre Organisation unterstützt Social Entrepreneurs, zum Beispiel „Dialog im Dunkeln“, ein Unternehmen, das die Welt blinder und stark sehbehinderter Menschen für „Normalsichtige“ erfahrbar macht.
Aber kann man auch gesellschaftlich mit seiner Arbeit etwas bewirken, wenn man angestellt ist? Kann man ein Social Intrapreneur sein? Ein „Unternehmer im Unternehmen“, der sich erlaubt zu spinnen und mit Erfindergabe, sowohl den eigenen Betrieb als auch die Gesellschaft verändert? Ja, ist das Team von Ashoka überzeugt.
Als Beispiel nannten die beiden das emissionsfreie Mobilitätskonzept von BMW i. Wer treibt als Vordenker so ein Konzept im Unternehmen voran? Solche Impulse können durchaus aus den Projektteams kommen und nicht als Anordnung aus der Unternehmensspitze. Dass Beispiel BMW lag deshalb in der Luft, weil zehn Tage vor unserer re:work-Konferenz in Berlin der „First Global Social Intrapreneurship Summit“ stattgefunden hatte, der von der BMW-Stiftung initiiert worden war. Dort war auch Ashoka eingeladen.
Man könne also angestellt sein, und dennoch eine „unternehmerische Person“, sagte Dennis Hoenig-Ohnsorg. Der vielleicht wichtigste Charakterzug, um etwas zu bewegen sei: sich selbst die Erlaubnis zu geben, etwas zu tun. Das heißt, die eigenen Ideen ernst nehmen und verfolgen, selbst wenn sie über den Rahmen des üblichen Arbeitsbereichs hinausgehen.
Die beiden stellten dann in Grundzügen ein Toolkit vor, um den Teilnehmerinnen die wichtigsten Schritte zu verdeutlichen, mit denen Ideen real werden:

Um den Arbeitgeber von einer Idee zu überzeugen, gilt es als erstes, den Business Case zu erstellen, also deutlich zu machen, was hat das Unternehmen von meiner Projektidee, was müsste dafür investiert werden? Das Ergebnis muss dabei nicht unbedingt eine offensichtliche „monetäre Rendite“ sein, unter Umständen ist die „soziale Rendite“ für ein Unternehmen wertvoll. Dann gelte es, Verbündete für die eigenen Ideen zu finden. Parallel gehe es darum, Ressourcen zu erschließen, um die Idee zum Leben zu erwecken, selbst wenn man zu Anfang noch kein Budget hat. Wichtig sei, die eigene Resilienz zu pflegen, dafür zu sorgen, dass die Verwirklichung der Idee nicht nur etwas ist, was man schafft – und einen dabei schafft. Sondern dass das Projekt einen selbst auch immer wieder inspiriert und Freude macht. Dabei helfe auch, zwischendurch zu überprüfen: Steige ich den richtigen Berg hoch? Und falls ja, wie kann ich meinem Ziel bis zur Realisierung treu bleiben? Fazit: Eigene Ambitionen und Firmenerfolg lassen sich gut miteinander verbinden.

In Kleingruppen haben wir über diese einzelnen Schritte gesprochen. Ein schöner Nebeneffekt des Workshops: interessanten Frauen zu begegnen. In meiner Gruppe war Nicola Verstl, die „Kulturglück“ ins Leben gerufen hat, eine Stiftung, die beispielsweise mit dem Projekt „Kunsthalle on Tour“, Bilder zu Menschen bringt, etwa zu Kindern, die im Krankenhaus sind.

Ein Workshop, der Mut machte, größer zu denken, Ideen zu verfolgen und zu sehen, mit meiner Arbeit kann ich etwas bewirken. Oda Heister und Dennis Hoenig-Ohnsorg hatten dazu einige interessante Links im Gepäck, für alle, die tiefer in das Thema einsteigen wollen:
www.leagueofintrapreneurs.com 
www.talents4good.org
bitly.com/changemakercareers

3. Welche Tipps wird Du zukünftig anwenden?
Mehr spinnen.

4. Welcher war der Moment im Workshop, der Dich besonders inspiriert hat?
Der Rat, häufiger wie die Hummel zu sein. Unter physikalischen Gesichtspunkten betrachtet, kann die Hummel eigentlich nicht fliegen. Aber das weiß sie nicht.